Ich leg mich hin, Handy in der Hand, warte auf eine Antwort, eine SMS, irgendeine Reaktion von euch. Irgendwas, ein 'hallo', ein 'wie gehts', ein 'ich hab dich lieb'. Egal was. Hauptsache etwas. Doch es kommt nichts. Nichts! Nur Stille, Einsamkeit und Tränen kommen. Und so liege ich da, Handy in der Hand, Tränen fallen auf das Display und ich schlafe ein, weil ich so erschöpft und traurig und kaputt bin. Und weil ich nicht mehr kann und am aufgeben bin, am verabschieden und beenden. Ich spüre es, ich verschließe mich immer mehr und will es nicht mehr versuchen, ich habe aufgegeben. Einfach so.Mein Uhr zeigt 17:15. Ich weine und bin aufgelöst. Schnappe mir meine Tasche, drinnen sind Handy, iPod, Geldbeutel, Handschuhe und Taschentücher. Laufe nach unten, zu meiner Mum. "Ich bin für zwei Stunden bei V., komme so um acht Uhr wieder. Bis dann!" Und weg bin ich. Gehe nicht zu V. Gehe spazieren, raus aufs Feld, in den Wald, überall hin. Stehe plötzlich auf der Brücke. Wie bin ich dahin gekommen? Uhr zeigt 18:12. Überlege es. Ja oder nein? Bin so verwirrt, bin eigentlich bereit dazu, doch nein. Irgendetwas hält mich zurück. Ein inneres Gefühl, keine Ahnung was es ist und warum. Ich weiß nur, dass es da ist. Drehe mich um, laufe zurück durch die dunkle Nacht. Plötzlich wird mir ganz schlecht, alles dreht sich. Knie mich hin, übergebe mich im dunklen Gras und stehe wieder auf. Eins, zwei, drei, vier und ich kippe um. Alles dunkel. Schwärzer als die Nacht es eh schon war. Als ich wieder aufwache, weiß ich nicht, wie viel Zeit rum ist. Waren es nur wenige Sekunden oder mehrere Minuten? Ich weiß es nicht, stehe auf und laufe weiter. Schreibe B. eine SMS und frage, ob ich zu ihm kann. Mir ist kalt und ich bin nass und mir ist schlecht und schwindelig. Er antwortet natürlich nicht, war auch nicht anders zu erwarten. Laufe weiter und schreibe dann K. eine SMS, sie antwortet sofort und ich kann um 18:45 zu ihr kommen, sagt sie. Schaue auf mein Handy, 18:30. Okay, noch 15 Minuten. Laufe auf den Spielplatz zu und setze mich auf die Bank. Neben mir liegt Draht auf der Bank. Schaue schnell wieder weg, wahnsinnige Idee. Doch plötzlich halte ich den Draht in der Hand, denke nicht nach und er zerkratzt meine Haut. Nur leicht, ganz leicht. Rote Striche zieren meinen Arm, kein Blut, nur Schmerz und Wut. Wut auf mich selbst, mein Leben, meine Existenz. 18:40, ich mache mich auf den Weg, werfe den Draht weg. Laufe zu ihr und bin um genau 18:45 da. Wir reden eine Stunde über nichts Wichtiges, nur Belangloses... Aber es tut gut, abgelenkt zu werden. Es tut wirklich gut. Als ich wieder heimkomme gehts mir besser, ein bisschen zumindest. Aber der Ausflug tat gut. Nur der Besuch auf der Brücke bleibt mir im Gedächtnis und dieses seltsame Gefühl, das mich zurückgehalten hat. Und ich weiß noch immer nicht, was es war...
