Dienstag, 14. Februar 2012

Narben

Ich finde, wenn man sich ritzt oder geritzt hat, sollte man zu seinen Narben stehen. Natürlich, man kann sich denken "scheiße sieht das hässlich aus" oder so. Und man kann sich auch denken "hätte ich es lieber nicht gemacht, es soll nicht jeder sehen jetzt"... Aber man soll sich meiner Meinung nach nicht verstecken. Man soll nicht im Sommer im Pulli rumlaufen, nicht mehr ins Freibad gehen oder im Sport nicht mitmachen deswegen. Man soll sich natürlich auch nicht zur Show stellen. Man soll nicht hingehen und allen seine Narben zeigen, stolz erzählen, man habe sich geritzt. Denn es ist nichts, worauf man stolz sein kann. Es ist traurig, so tief runtergerutscht zu sein. Es ist traurig, wenn man sich Schmerzen zufügen muss, sich die eigene Haut aufschneiden muss, um von den Problemen einen kurzen Moment gedanklich befreit zu sein, um die Kontrolle zu haben, um sich lebendig zu fühlen. Das ist traurig, aber leider die traurige Wahrheit, zumindest in meinem Fall.
Aber ich stehe zu meinen Narben. Ich zeige sie zwar ungern, aber ich schäme mich nicht mehr dafür. Das bin ich nunmal. Diese Narben gehören zu mir, sie werden mich nun ein Leben lang begleiten, egal was ich mache. Ich habe sie mir selbst zugefügt und es ist meine Schuld, dass sie da sind und nie mehr weggehen werden. Aber es ist okay. Ich habe mich mit ihnen abgefunden. Ich komme damit klar.
Doch oft ist es für andere ein Problem, meine Narben zu sehen oder gar zu berühren. Viele ekeln sich dafür, verachten mich wegen meinen Narben und deren Hintergrund. Dabei wissen die meisten nicht mal Genaueres. Wenn jemand fragt, weshalb ich da diese Narben habe, sage ich meistens nur "geht dich nichts an" oder "hab ich selbst gemacht, mehr will ich nicht sagen". Und dann denken die meisten sich wahrscheinlich eh, ich sei bescheuert und was weiß ich. Aber nungut, das habe ich mir selbst zuzuschreiben. Denn ich habe mir die Schnitte zugefügt, ich habe die Klinge in meinen Arm gesteckt, mir das Fleisch aufgeschlitzt und das Blut gefühlt, wie es über meinen Arm ins Waschbecken gelaufen ist und dort versickert ist.
Ich bin nicht stolz auf meine Narben, jedoch komme ich damit klar und habe mittlerweile kein Problem mehr, mich so zu zeigen. Und ich versuche zu ignorieren, was andere denken oder sagen.


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