Freitag, 3. Juli 2015

Nobody else

Es ist nicht der Wunsch zu sterben, der mich quält, mich lockt, mich fasziniert. Es ist der Gedanke, tot zu sein. Was wäre, wenn...
Was wäre, wenn mein Leben nicht mehr ist. Wenn ich nicht mehr bin. Wenn ich mich umgebracht habe und die Menschen nun davon erfahren. Wie wäre es mir am liebsten, aufgefunden zu werden? Mit aufgeschnittenen Pulsadern in der Badewanne von meiner Mitbewohnerin? Vom Hochhaus gesprungen, von Passanten? Von Polizisten, nach einem Notruf kurz vor meinem Tod?
Und was würde dann geschehen? Würden sie mein Zimmer durchsuchen, in der Hoffnung auf Hinweise? Abschiedsbriefe, Worte, Dinge von mir von Bedeutung. Würden sie meinen Laptop durchforsten? Würden sie meinen Blog hier lesen? Meine Tagebücher?
Oder würde alles unberührt meinen Eltern übergeben werden? Oder gar vernichtet werden, wenn ich dies schriftlich irgendwo so hinterlege?
Wer würde als erstes von meinem Tod erfahren? Meine Eltern? Mein Vater, meine Mutter? Meine Mitbewohnerin? Wann meine Freunde, Mitschüler, Lehrer? Meine Ausbildungsstelle?
Und wie würden sie alle reagieren, wer würde weinen, wer würde zerbrechen, wer nur den Kopf schütteln? Wen würde es wie lange beschäftigen, wer würde es direkt abtun, vergessen?
Wo käme ich hin? Würde ich aufgeschnitten, obduziert werden? Mit einem Y auf der Brust begraben? Wo würde ich begraben werden? Wie? Wer würde kommen, wer würde es bezahlen? Würden alle schwarz tragen und ständig weinen? Würde es regnen?
Wer käme alles und wer würde wie trauern? Wer würde sich nicht trauen, zu kommen? Wer würde Schuldgefühle haben, wer sie abschieben, wer alles verdrängen?
Würden meine Eltern sich an diesem einen Tag verstehen? An meinem Ende?
Wie würde es danach weitergehen? Würden alle normal weiterleben, mit Trauer im Herzen? Würde jemand zerbrechen und sein Leben aufgeben? Würde jemand mich vergessen? Wer? Wie schnell? Warum? Wie weit zurück würde die Trauer gehen, zu welchen Freunden und Bekannten?
Zu meiner ersten Schule? Grundschule? Gymnasium?
Wie würde es mit den Tieren weitergehen? Wer nimmt sie alle? Wer bezahlt die Wohnung? Wo zieht meine Mitbewohnerin hin?
Wie lange dauert es, bis ich nur noch eine Erinnerung bin und es nur noch heißt, "ja, das ist eine traurige Geschichte"?

Mir schwirren hunderte, tausende Fragen im Kopf herum und niemand kann sie mir beantworten. Niemand.

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