Freitag, 30. Mai 2014

Sprungschüssel

Ich hänge keine Bilder mehr an, finde alle schrecklich und unpassend. Lasse lieber eine leere Stelle, wo einst Farben waren.
Ich war drei Wochen weg, eingesperrt und wahnsinnig im Kopf. Letzteres hat sich nicht geändert, wird es nie und das ist okay. Ein erneuter Psychiatrieaufenthalt, doch hoffnungslos. Ich komme nicht klar, mir hilft das alles nichts mehr. Und so sitze ich nun wieder daheim, weiß nicht weiter, fühle mich gut und schlecht und habe Hoffnung und nicht. Ich will weinen und lachen, will schreien und singen, will tanzen und schlafen, will leben und sterben. Ich will alles und nichts, bin zerstreut und verwirrt und verliere die Hoffnung in das Unmögliche und Mögliche. Ich hatte gedacht, ich hatte gehofft, man könne mir stationär helfen, irgendwie. Ich wollte ehrlich sein, ich wollte reden! Doch bekam nie die Gelegenheit dazu, durfte mich nicht öffnen, wurde nur eingesperrt und zu guter Laune gezwungen. Ich wurde nicht gefragt, was wieso warum in meinem Kopf geschieht, wie es mir dabei geht und was ich tun kann. Ich musste lächeln, musste essen, musste was unternehmen, doch wurde nicht therapiert. Ich wurde abgelenkt, doch das kann ich auch alleine. Es werden dort lediglich die Symptome behandelt, keineswegs die Ursachen. Und so ist es verständlich, dass die Patienten rückfällig werden, wenn sie entlassen sind. Sie haben dann niemanden, der sie rund um die Uhr bewacht, müssen alleine klar kommen und mit dem Inneren leben. Erneut, hoffnungslos, Kreislauf. Ich wollte erzählen, habe Romane geschrieben und gehofft, dass mir geholfen wird. Ich wollte sie abgeben, wollte weinen und wollte endlich Hilfe! Doch habe ich das Gefühl in dieser schreienden Welt überhört zu werden. Denn alle schreien und weinen und niemand hilft, denn jeder schreit selbst und hört nur sich, niemanden sonst. Und ich schreie um Wasser, bekomme Brot, schreie nach Sonne und bekomme Regen, ich schreie um Frieden und ein Krieg entfacht, ich schreie nach Leben, doch werde in den Tod gestoßen. Es ist mein Kopf der mich nicht gehen lässt, all meine Gedanken, die mich wahnsinnig machen, mich durchdrehen lassen. Ich will sie ausschalten, einfach weg und meine Ruhe haben, doch trage sie bei mir, stetig in meinem Kopf. Gefangen für immer mit all den Gedanken, zusammen in einer Umgebung, unfreiwillig.
Und die Gefahr besteht stetig: Wenn du zu ehrlich bist, bleibst du ewig. Denn dann erkennen sie wirklich, wie verrückt du bist. Und ewig bleiben kann ich nicht, denn meine Hoffnung auf Gesundheit ist erloschen. Es ist lediglich ein Gedanke, ein Schimmer, ein Drang, doch kein Glauben mehr. Ich bin ein gestörter Mensch, dessen Seele bis ins Kleinste zersprungen ist und für den es keinen Kleber zum kitten gibt. Und so laufe ich, zerbrochen wie ich bin, durch die laute Welt und zittere bei jedem Klang und jedem Beben, das die Menschen erzeugen. Ein Schritt, ein Wort, ein Blick und ich liege da, weinend, schreiend, elend. Und weiß nicht weiter. Doch diese Verzweiflung ist unsichtbar, ist innen, ist in mir. Sichtbar ist lediglich das Lächeln, die Augen, der Ton. Und so werde ich verstanden. Falsch.

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