Montag, 2. Juni 2014

Planlos

Die schwebende Welt fliegt an mir vorbei, sieht mich nicht an, schaut nicht mal her. Ich stehe da, verlassen und einsam und warte. Ich warte auf den Zug, den Moment, der mich mit nimmt, mich ergreift und mich berührt, mich nicht stehen lässt, der mich hält. Doch ich warte, stetig und unersättlich, immer. Einer nach dem anderen fährt vorbei, in jedem Zug Menschen, doch noch viel Platz. Keiner hält, keiner will mich, ich bin falsch. Ich stehe am falschen Gleis, am falschen Tag, zur falschen Zeit. Ich bin falsch. Muss weg hier, muss neu suchen, neu finden und neu anfangen. Ich fühle mich schlecht, schrecklich, grauenvoll. Und es ist eine neue Art des Unbehagens hinzu gekommen. Heute, etwas körperliches. Es ging mir unheimlich schlecht, ich habe gezittert und mir war schlecht, mein Atem ging schneller, meine Hände unruhig und furchtbar nervös. Ich hatte das Gefühl, den Drang und irgendwie den Wunsch weinen zu müssen, doch wäre es kindisch gewesen. Warum sollte ich weinen? Es kam keinen Auslöser, es war lediglich das komische, unwohle Gefühl. Ich sollte mich zusammen reißen, sollte zeigen, wie stark ich bin, dass ich stark bin, dass mir der Klinikaufenthalt irgendwie geholfen hat, dass ich nun alles ändern werde. Doch ich kann nicht. Ich fühle mich klein, schwach und hilflos. Gerne würde ich jetzt zu jemandem gehen und sagen; Hilf mir! Doch ich wage es nicht. Ich will nicht als Kind gesehen werden, das nichts auf die Reihe bekommt. Denn ich schaffe vieles. Doch im Moment nicht, im Moment benötige ich so dringend Hilfe. Einfach jemanden, der mir unter die Arme greift. Aber ich habe nicht das Gefühl, irgendwie was zu erreichen oder zu bekommen. Ich bin aus der Klinik zurück und alles läuft wie gehabt. Irgendwie beruhigend, irgendwie schrecklich. Ich will doch einfach nur lachen, mich gut fühlen. Oder ich will sterben.
Und nach sieben Jahren des Wartens, des Hoffens und der Trauer kann ich einfach nicht mehr. Ich schwächle, ich will nicht mehr stark sein müssen, ich will einfach in den Armen eines Menschen weinen können, ohne mir dabei immer Gedanken machen zu müssen. Ich will aufhören, ich bin kaputt und am Ende. Ich brauche etwas Neues, irgendwie.

Besucher :)